Stiftung Warentest: asuro.de berücksichtigt sogar Direktversicherer

Stiftung Warentest Spezial Internet 01/2001

Stiftung Warentest checkt Online-Versicher
Makler im Netz
 
Neben den Versicherern sind eine Reihe von Maklern im Netz, die mit Tarifvergleichen einen Überblick verschaffen wollen. Komplizierte Policen sollte man dort aber nicht abschließen.

Wer heute sein Leben versichern will, braucht weder die Wohnung zu verlassen noch einen Vertreter hinein zu lassen. Auf der Shopping-Tour im Internet - zwischen Bademantel- und Bücherbestellung - kann das lästige Thema mit ein paar Mausklicks abgehakt werden. Alle wichtigen Gesellschaften sind im Netz vertreten und bieten neben den Sachversicherungen nun auch verstärkt Lebensversicherungen zum Onlinekauf an.
Wer keine Lust hat, bei jedem einzelnen Anbieter vorbei zu schauen, findet im Netz inzwischen eine Reihe von Maklern, die vor dem Onlineabschluss einen Marktvergleich mit Tarifrechnern ermöglichen. Doch der Versicherungsdeal am Bildschirm birgt auch Nachteile.
Rechtlich gibt es keine Einwände gegen die Police per Mausklick. Das Absenden der Daten reicht als Willenserklärung aus, die Schriftform ist beim Versicherungsabschluss nicht vorgeschrieben. Es genügt aber nicht, wenn der Versicherer die Annahme des Antrags einfach per E-Mail bestätigt. Der Kunde hat Anspruch auf eine ganz normale Urkunde. Darauf sollte jeder bestehen, um im Versicherungsfall etwas in der Hand zu haben.
Das allgemeine Widerspruchsrecht gilt auch beim Versicherungskauf im Netz. Ein Kunde kann in der Regel innerhalb von 14 Tagen vom Vertrag zurücktreten. Die Frist beginnt ab dem Zeitpunkt, an dem die Versicherung die so genannten Verbraucherinformationen - unter anderem die Allgemeinen Versicherungsbedingungen - überreicht hat. Diese Unterlagen müssen dem Kunden immer in Papierform zugestellt werden, ansonsten ist ein Rücktritt vom Vertrag bis zu einem Jahr nach der ersten Prämienzahlung möglich.
Um sich einen Überblick über Tarife zu verschaffen, lohnt ein Besuch bei den virtuellen Versicherungsvermittlern. Mit Tarifrechnern erlauben sie einen raschen Marktvergleich, wobei jeder seine eigene Strategie verfolgt.

Jeder vergleicht anders

Der Makler www.onsecure.de vergleicht die Wünsche des Kunden mit den Angeboten der Versicherer in seiner Datenbank und fischt das Beste heraus. Die Offerte soll zu den preisgünstigsten am Markt gehören, was der Kunde allerdings nur schwer nachprüfen kann. Wer will, kann online den Vertrag mit dieser Versicherung eingehen. Falls gewünscht, ist er sofort nach Eingang der Bestätigungs-E-Mail von Onsecure versichert. Bis Vertragsabschluss kann der Kunde anonym bleiben.
Auch www.insurancecity.de unterbreitet auf die Vergleichsanfrage nur ein einzelnes Angebot, hat aber ein anderes Konzept: Der Makler hat den Markt vorher verglichen und pro Sparte mit einer Handvoll Versicherern Sonderkonditionen ausgehandelt. Jene, die am besten zur Anfrage des Kunden passt, wird ihm angeboten. Ein Vergleichsrechner, der auch die anderen Versicherer berücksichtigt, soll aber noch in diesem Jahr zusätzlich ins Angebot kommen.
Wer aus Sorge vor Adressenhandel auf Anonymität bedacht ist, kann auch unbehelligt unter www.censio.de vergleichen. Das Verfahren hier: Die Anfrage des Kunden schickt Censio nach eigenen Angaben direkt an die Tarifrechner der angeschlossenen Versicherungsunternehmen. Als Ergebnis erhält der Kunde ein Ranking mehrerer Gesellschaften und Tarife. Die Daten sollen immer aktuell sein und auch Rabatte und Sondertarife berücksichtigen.
Die meisten Makler arbeiten dagegen beim Tarifvergleich mit Datenbanken, die solche Extras nur selten enthalten. Sie haben aber den Vorteil, dass eine größere Zahl von Versicherern verglichen werden kann. Denn an den ,,Echtzeit-Rechner" von Censio sind nicht alle Gesellschaften angeschlossen, weil sich nicht jeder ins ,,Allerheiligste" schauen lässt.
Das kann für den Kunden teuer werden: Bei einem Test der STIFTUNG WARENTEST, in dem mit gleichen Vorgaben Ein Angebot für private Krankenversicherungen erfragt wurde, bot Censio als preiswerteste Offerte eine Police der Arag an. Die war jedoch monatlich rund 180 Mark teurer als die Angebote bei www.asuro.de und www.finanzscout24.de die beide mit Datenbanken arbeiten. Deren kostengünstiger Anbieter – die Huk Coburg – beteiligt sich nicht am Rechnernetz von Censio.
Mit » Echtzeit-Tarifen" arbeitet auch www.einsurance.de . Das Konzept: Bei Interesse an einer Police schickt der Kunde einen Antrag an Einsurance, der diesen an die betreffende Versicherung weiterleitet. Bietet der Versicherer den Onlineabschluss an. kann der Vertrag im Netz unter Dach und Fach gebracht werden. Andernfalls meldet sich die Gesellschaft per Post.
Der Anbieter www.fss-online.de tritt mit wieder anderer Strategie auf: Neben einem Ranking, das nach Qualitätskriterien sortierbar ist, arbeitet der Anbieter mit externen Maklern zusammen. Per Internet kann der Kunde seinen Versicherungsantrag an einen dieser Vermittler schicken, der sich dann um den Vertragsabschluss kümmert. Auch Censio arbeitet mit externen Maklern zusammen.
Der echte Onlineabschluss ist bei den Cyber-Maklern bislang meist nur für Standardprodukte wie Haftpflicht- und Hausratpolicen möglich: Der Kunde füllt das Formular aus und bekommt seine Police nach Hause geschickt - fertig. Bei den beratungsintensiven Policen ist immer noch Papier im Spiel, das unterschrieben werden muss.

Wenig Transparenz

Bei aller Bequemlichkeit, die ein Tarifvergleich mit anschließendem Onlineabschluss bietet - es gibt Schattenseiten: Auch Makler im Internet leben von Provisionen. Rein technisch ist es kein Problem, die Vergleichsberechnungen so zu gewichten, dass nur die Gesellschaften auf den ersten Plätzen auftauchen, die dem Makler gute Prämien zahlen. Zumindest sucht der Kunde in manchen Rankings vergeblich nach Direktversicherern, die keine oder nur geringe Provisionen zahlen.
Unterm Strich eignen sich die Tarifvergleiche im Netz gut zur Orientierung. Allerdings sollten auch die Ergebnisse der Onlinevermittler untereinander verglichen werden. Gegen einen Vertragsabschluss einer Standardversicherung wie Haftpflicht oder Hausrat spricht dann nichts.
Ein Abschluss teurer und komplizierter Vorsorgepolicen im Internet ist aber nicht zu empfehlen. Ein Ranking ist hier meist wenig aussagekräftig, detaillierte Verträge können im Netz nicht ausgearbeitet werden. Das Gespräch mit einem neutralen Experten bietet Vorteile: Er berät, beantwortet Fragen, sucht individuelle Lösungen, hilft beim Ausfüllen der Verträge und kennt sich auch mit dem Kleingedruckten aus. Ein Makler haftet außerdem für Beratungsfehler und hält bei Bedarf die Verträge auf dem neuesten Stand. Wer seine Police im Internet ordert, verzichtet auf diese Leistungen.